Widerstand während der deutschen Besatzungszeit (1942-1944)

Seit März 1942 bis zum Ende der Besatzungszeit im Oktober 1944 nahm Vassilis Filias an mehr als zwanzig Massendemonstrationen und -versammlungen teil, die von Studenten, Schülern, Arbeitern und Angestellten gegen die Besatzer in Omonia, Metaxourgeio, Syntagma, Kolonaki und anderen Athener Stadtteilen durchgeführt wurden.

Er beteiligte sich an Aktionen der studentischen Widerstandsgruppen, wozu das nächtliche Beschriften von Wänden, die Produktion und Verteilung von Flugblättern sowie verschiedene Formen der Sabotage gehörten.

Aufgrund ideologischer Differenzen verließ er 1945 die von Panagiotis Kanellopoulos gegründete „Heilige Brigade“ (Ιερή Ταξιαρχία) und wurde Mitbegründer der Panhellenischen Organisation der Demokratischen Jugend (Πανελλήνια Οργάνωση Δημοκρατικών Νεολαίων: ΠΟΔΝ). Während des griechischen Bürgerkrieges (1946-1949) trug das Redaktionsorgan seiner Organisation, der „Machitis“ (Μαχητής: Kämpfer), mit dazu bei, dass die Kluft zwischen den gegnerischen Kräften in Griechenland verringert wurde.

Omilos Papanastasiou (Όμιλος Παπαναστασίου: Gruppe von Papanastasios)

Nach dem Bürgerkrieg diente Vassilis Filias von 1949 bis 1953 in der griechischen Armee als Reserveleutnant bei den Kommandotruppen.

Nachdem er seine Studien im Ausland abgeschlossen hatte gründete er 1964 zusammen mit anderen Wissenschaftlern, darunter Sakis Karagiorgas, Nicos Poulantzas, Kostas Simitis, Gerasimos Notaras, Kostas Sofoulis und Kostas Nikolaou, die „Papanastasiou-Gruppe“ (Όμιλος Παπαναστασίου), deren Vorsitzender er bis 1967 war. Zu den zentralen Punkten der 20 Gründungsprinzipien gehörten die sozialistische Umgestaltung des politischen Systems, die vollständige Beseitigung aller Folgen des Bürgerkriegs und eine tiefgreifende Reform des Bildungswesens. Weiterhin waren die Dezentralisierung der Streit- und Sicherheitskräfte sowie die Steigerung von Leistung und Qualität im Öffentlichen Dienst geplant. Die Papanastasiou-Gruppe war ein wichtiger Faktor bei den sozio-politischen Veränderungen und Konsolidierungen des öffentlichen Lebens in Griechenland. Ziel war die Gründung einer sozialistischen Partei, die für einen strukturellen Wandel und einer grundsätzliche Neuausrichtung der Politik sorgen sollte.

Die Gruppe konnte sich im linken Flügel der Gesellschaft etablieren und gewann zunehmend an Einfluss bei Wissenschaftlern, Akademikern und anderen Arbeitnehmern. Seit 1965 existierte eine enge Zusammenarbeit mit Andreas Papandreou und in diesem Zusammenhang wurde Vassilis Filias dessen Berater in außenpolitischen Fragen. 1966 übernahm er die Herausgabe der Wochenzeitung „Evdomada“ (Εβδομάδα: Woche).

Kampf gegen die Junta-Diktatur – Dimokratiki Amyna (Δημοκρατική Άμυνα: Demokratische Verteidigung)

Unmittelbar nach dem Militärputsch am 21. April 1967 gründete Vassilis Filias zusammen mit anderen führenden Mitgliedern der Papanastasiou-Gruppe die Widerstandsorganisation „Demokratische Verteidigung“ (Δημοκρατική Άμυνα). Diese hatte das Ziel, die Junta mit allen Mitteln zu stürzen. Zum Kernteam gehörten Sakis Karagiorgas, Georgios Mylonas, Spyros Plaskovitis, Kostas Kalligas und Vassilis Filias, der zum Leiter des illegalen Netzes der Organisation ernannt wurde.

Koordinierte Aktionen und Initiativen trugen dazu bei, dass der Widerstandskreis schnell anwuchs und viele Zellen im In- und Ausland entstanden. So wurden Widerstandsgruppen in Athen, Thessaloniki, Kozani, Kreta und anderen Regionen gegründet. Diese Netze waren relativ klein und wurden nach Berufssparten unterteilt, darunter Intellektuelle, Militärs, Akademiker, Künstler, Journalisten, Richter und Schriftsteller.

Auch in London, Paris, Frankfurt, München, Amsterdam, Genf, New York und anderen großen Städten im Ausland wurden Gruppen gegründet. Die Hauptaufgabe bestand darin, den Widerstandskampf in der Heimat zu unterstützen. Darüber hinaus zielten die Netzwerke darauf ab, das Ausland über die Situation in Griechenland aufzuklären, einflussreiche Unterstützer beim Kampf gegen die Junta zu finden und dieser möglichst umfassend – wirtschaftlich, politisch, militärisch und medial – zu schaden. Die Netzwerke im Ausland pflegten den Kontakt zu Regierungsvertretern, Parteien und Politikern, zu Gewerkschaften, Universitäten und zu den Medien. Details über das Terrorregime der Junta (Abschaffung der Pressefreiheit, Ausschaltung der Opposition, völkerrechtswidrige Inhaftierungen und Folter), Informationen über die Infrastruktur und wirtschaftliche Lage des Landes wurden gezielt an die internationale Öffentlichkeit weitergegeben.

Seit dem Beginn der Diktatur lebte Vassilis Filias bis 1968 im Untergrund, wo er Aktivitäten des Widerstandes koordinierte. Dazu gehörte die Erstellung und Verteilung von Flugblättern sowie viele andere Aktionen, in denen die Diktatur offen angeprangert und das Volk zum Widerstand aufgerufen wurde.

Die Widerstandskräfte, bestehend aus der „Patriotischen Front“ (Patriotiko Metopo: Πατριωτικό Μέτωπο) und anderen linken Gruppierungen wurden gebündelt und konsolidiert. So arbeiteten im Ausland Delegationen der „Demokratischen Verteidigung“ mit der von Papandreou gegründeten Organisation P.A.K. (Panhellenische Befreiungsbewegung; Πανελλήνιο Απελευθερωτικό Κίνημα: Π.Α.Κ) zusammen und beteiligten sich gemeinsam an der Organisation von großen, medial sehr wirksamen Veranstaltungen und Kundgebungen gegen die Junta.

Vorrangiges Ziel war es, die internationale öffentliche Meinung aufzurütteln und auf die unerträgliche Situation in Griechenland aufmerksam zu machen. Ergebnis war, dass sich weltweit zahlreiche angesehene Persönlichkeiten aus Politik und Kultur für den Kampf gegen die Junta engagierten.

Der Widerstand und die illegalen Aktivitäten führten dazu, dass die Mitglieder der „Demokratische Verteidigung“ von der Junta als Hauptfeinde angesehen wurden. Sie sollten gejagt und gefangen werden. Bei seiner Verhaftung wurde Filias mitgeteilt, dass der Staat „Millionen (Drachmen)“ ausgegeben hätte, um ihn zu fassen. Bei der Beerdigung seines Vaters hätten vierzig Sicherheitsbeamte nach ihm Ausschau gehalten – allerdings vergeblich. Filias war vorher gewarnt worden und kam aus Sicherheitsgründen nicht zu der Beerdigung seines Vaters. Schließlich wurde er am 26. Juni 1968 verhaftet und für drei Monate im berüchtigten Gefängnis in der Bouboulinas-Straße eingesperrt.

Dort, wo sich heute das Kulturministerium befindet, wurde Filias von den Folterschergen Vassilis Lambrou, Petros Babalis und Evangelos Mallios mehrere Tage lang verhört. Anschließend wurde er in das Gefängnis von Averoff verlegt und im Mai 1969 zusammen mit anderen Widerstandskämpfern zu einer Haft von achtzehneinhalb Jahren verurteilt. Seine „Verteidigungsrede“ (απολογία) war eine offene Anprangerung der Junta und verwandelte den Prozess in einen weiteren Schritt des aktiven Widerstandes. Der Text wurde am gleichen Tag in mehreren ausländischen Zeitungen veröffentlicht und von Radiosendern in ganz Europa übertragen.

Während der restlichen Zeit der Diktatur war Filias in Gefängnissen, die über ganz Griechenland verteilt waren, inhaftiert (Athen: Averoff und Korydallos; Kreta: Intzedin und Alikarnassos; Korfu). In den Gefängnissen blieb er weiterhin politisch aktiv. Er schrieb Texte über die aktuelle politische Lage in Griechenland, die über geheime Kanäle an Medienvertreter im Ausland gelangten und von diesen insbesondere über das Radio und Zeitungen verbreitet wurden.

Gemeinsam mit seinem langjährigen Gefährten Sakis Karagiorgas und anderen politischen Häftlingen führte er einen Hungerstreik durch, um die Bedingungen in den Gefängnissen zu verbessern. Die vielen Jahre, die er getrennt von seiner Familie in einer Zelle verbringen musste, wurden dazu genutzt, andere Häftlinge zu unterrichten (insbesondere in Geschichte, Politik und Fremdsprachen), zu lesen und Vorarbeiten für ein Buch zu leisten, das später unter dem Titel „Gesellschaft und Macht in Griechenland – Die illegitime Urbanisierung von 1800 bis 1864“ (Κοινωνία και εξουσία στην Ελλάδα – Η νόθα αστικοποίηση 1800-1864) veröffentlicht werden sollte.

Diese Aktivitäten und die Kontakte, die trotz der Inhaftierung fortgesetzt werden konnten, führten dazu, dass Filias Ehrenmitgliedschaften und Ehrenprofessuren an Universitäten in Großbritannien (Oxford) und in Deutschland (Darmstadt) erhielt.

Am 21. August 1973 wurde Filias aufgrund einer Generalamnestie aus dem Gefängnis entlassen. Er bekämpfte weiterhin die Junta und insbesondere einen ihrer wichtigsten Vertreter: Spyros Markezinis. Dabei gelang es ihm, insbesondere auch Teile des Militärs auf seine Seite zu ziehen.

Zeit des politischen Umschwungs („Metapolitefsi“ / Transition)

Nach dem Sturz der Diktatur versuchten die Repräsentanten der Widerstandsgruppen zunächst gemeinsam Demokratie und soziale Gerechtigkeit in Griechenland zu etablieren.

Im September 1974 wurde von Andreas Papandreou die Partei PA.SO.K gegründet (ΠΑ.ΣΟ.Κ.: Πανελλήνιο Σοσιαλιστικό Κίνημα), was zu einer starken Personalisierung der linken Bewegung und daran anschließende Krisen führte.

Filias konnte und wollte sich dem Programm von Papandreou nicht anschließen. Er setzte seine Aktivitäten und Kooperationen auf einer anderen Ebene fort. Bis zu seinem Lebensende trat er mit großem Engagement für nationale Belange, sozialen Fortschritt sowie die Förderung von Bildung und Kultur ein.

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